Reiseberichte

Wenn Reiseberichte in Zusammenarbeit mit Mitreisenden entstanden sind, sind diese namentlich erwähnt.

 

 

 

 

 

 

 

oder: Es muss nicht immer Wittenberg sein!

Worms – Speyer – Heidelberg – Bretten – Pforzheim – Marburg

Der Reisebericht ist entstanden als ein Projekt des Kulturführerschein® Reformation. Er ist als Broschüre vom Ev. Erwachsenenbildungswerk Nordrhein und der Ev. Stadtakademie Düsseldorf herausgegeben worden.

Verantwortlich für den Bericht und die Broschüre sind Ute Pannes, Christa Stelling, Harald Steffes und Dr. Carolin Ulbricht.

Die Studienfahrt „Auf den Spuren der Reformation“ vom 29.03. bis 02.04.2016 wurde organisiert und geleitet von Pfarrer Harald Steffes, Studienleiter Ev. Stadtakademie Düsseldorf, und Dr. Carolin Ulbricht, Studienleiterin Ev. Erwachsenenbildungswerk Nordrhein.

1. Tag: Fahrt nach Worms

Bevor in Worms die Stadtführung auf den Spuren der Reformation beginnt, gibt es in der Nibelungenstadt neben den Spuren Luthers noch mehr zu entdecken. Wir nutzen die Zeit, um den ältesten jüdischen Friedhof Europas zu besuchen, den „Heiligen Sand“. Die ersten Gräber wurden hier außerhalb der Stadtmauern um 1034 angelegt, weit weg auch vom Judenviertel innerhalb der Mauern am anderen Ende der Stadt. Heute sind es ein paar Schritte vom lebhaften Kreisverkehr in eine beschauliche Idylle. Auf blumenübersäter Wiese stehen die Grabsteine verstreut, aber doch dicht an dicht: im unteren, älteren Teil manchmal schief oder halb versunken, im oberen, neueren Teil (Belegungen bis ca. 1907) ganz akkurat. Viele der Steine sind mit Formeln wie „Ruhe in Frieden“ in Deutsch und Hebräisch beschriftet. Oft findet man Ansammlungen von Grabsteinen für Generationen einer Familie.

„Hier stehe ich und kann nicht anders“

Am Siegfriedbrunnen treffen wir unsere Stadtführerin, die uns durch die Wormser Innenstadt auf den Spuren Luthers bei seinem „Besuch“ anlässlich des Reichstags 1521 leitet. Viele Themen standen damals auf der Agenda. Die Sache „Luther“ war nur eine unter vielen anderen. Keiner hatte damit gerechnet, dass dieser Mönch nicht widerrufen würde, als er am 17. April 1521 zum letzten Male dazu aufgefordert wurde. Diese Szene wird so sehr von ihrem symbolischen Gehalt überlagert, dass es vielen Menschen egal ist, dass der berühmte Satz vom hier Stehen und nicht anders Können zwar sehr treffend, aber eben erst nachträglich in Luthers Rede eingearbeitet wurde.

Häufig übersehen wird, dass es bereits ein gewaltiger diplomatischer Erfolg von Luthers Förderer Friedrich dem Weisen war, dass Luther nach seinem Bann überhaupt noch auf heimischem Boden angehört wurde, statt direkt der Reichsacht und somit der Vogelfreiheit anheimzufallen.

Gedenktafeln anstelle von Originalschauplätzen

Wir erfahren, auf welchen Wegen Luther sich Worms näherte. Er betrat die Stadt durch die (heute rekonstruierte) Martinspforte. Gedenktafeln erläutern, wo er gewohnt hat und wo er dem Kaiser Rede und Antwort stand. Nur – es ist nichts mehr von diesen Gebäuden zu sehen. Während des pfälzischen Erbfolgekriegs ist die Stadt 1689 fast komplett niedergebrannt. An den betreffenden Stellen zeigen Bronzereliefs und Tafeln, wie es dort einmal ausgesehen hat. Auch im 2. Weltkrieg wurde Worms übrigens nicht verschont: Noch am 17. Februar 1945 und erneut ein paar Tage später bombardierten die Alliierten den Ort und zerstörten ihn zu 80 %.

Das größte Reformationsdenkmal der Welt

Ein Höhepunkt der Tour ist sicher das monumentale Lutherdenkmal von 1868, das unbeschädigt blieb. An prominenter Stelle auf dem Gelände der ehemaligen Stadtbefestigung steht Luther inmitten einer angedeuteten Burg im Zentrum. Die äußeren Ecken werden „bewacht“ von denjenigen, die die Reformation politisch (Friedrich der Weise und Philipp von Hessen) oder philosophisch / philologisch (die Humanisten Reuchlin und Melanchthon) unterstützen.

Vordenkern der Reformation bzw. Vorreformatoren ist das innere Quadrat vorbehalten: Petrus Waldus, John Wycliff, Jan Hus und Girolamo Savonarola. Andere Reformatoren und Mitarbeiter Luthers finden sich als Plaketten am Sockel seiner Statue. Insofern dokumentiert das Monument also vorwiegend die inneren und äußeren Voraussetzungen der Reformation.

Besonders auffällig sind drei allegorische Frauengestalten, die sich auf niedrigen Postamenten zwischen den äußeren Figuren finden: die protestierende Speyer, die weinende Magdeburg (im 30jährigen Krieg starben hier 20.000 Menschen in kürzester Zeit) und eine Augsburg, deren Palmenzweig auf den Religionsfrieden von 1555 verweist. Finanziert wurde das Ganze von evangelischen Gemeinden aus der ganzen Welt.

Sehenswertes am Rande

Im Dom ist das Geschichtsfenster bemerkenswert, auf dem Luther beim Reichstag neben dem Kaiser zu sehen ist. Die Spuren Luthers führen weiter zum Andreasstift der Augustiner und zur St. Magnuskirche, der ersten Pfarrkirche, in der schon vor Luthers Besuch in evangelischem Sinn gepredigt wurde.

Das Museum in der Judengasse bietet einen kleinen Film über das jüdische Leben in Worms. Immerhin über 900 Jahre gab es hier ein mehr oder weniger friedliches Zusammenleben mit der jüdischen Bevölkerung – von 1034 bis 1938. Beeindruckend ist der Aufwand, mit dem ab 1185/86 laut einer erhaltenen Bauinschrift, die Mikwe, das Kultbad, geschaffen wurde.

2. Tag: Ausflug nach Speyer

Jüdisches Leben in Speyer

Auch in Speyer finden sich nicht nur Spuren der Reformation, sondern auch eines fast 900 jährigen jüdischen Lebens. Nach der bewussten und erwünschten Ansiedlung von Juden um ca. 1050, folgte die allmähliche Beschneidung der Privilegien, nachdem der Papst das Zinserhebungsverbot gelockert hatte, und somit dieser wichtige Wirtschaftsbereich auch von Christen offiziell bearbeitet werden konnte.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit Worms ist, dass auch Speyer im pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört wurde, woraufhin die Bedeutungen der jüdischen Bauten in Vergessenheit gerieten. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Mikwe noch als Brunnen für einen evangelischen Pfarrgarten genutzt, ehe durch Ausgrabungen klar wurde, was es mit diesem Stück Speyer auf sich hat. Die Mikwe im Judenviertel entstand vor 1128, auf sauberes Grundwasser für die rituellen Waschungen stieß man erst in 10 m Tiefe. Um diese zu erreichen geht es über zwölf unregelmäßige Stufen hinunter – zwölf Stufen nach den 12 Stämmen Israels und die Unregelmäßigkeit, weil es Vollkommenheit nur im Jenseits gibt. „Wie von Gott geschaffen“, denn das Wort „nackt“ war unschicklich, musste der Mensch dreimal im Wasser untertauchen, kontrolliert von einer/m Bademeister/in, erst dann war er rituell rein. Hier waren Steinmetze aus der Lombardei am Werk, die auch für die Geistlichkeit am Dom gearbeitet haben. Deren Handwerkszeichen tauchten überall in Europa auf, sogar bis nach Lund in Schweden sind sie gekommen.

Die „Protestanten“

Das Judenviertel ist auf der bischöflichen, also katholischen Seite der „via principalis“ zwischen Altpörtel (= alta porta) und dem Dom gelegen, während auf der anderen Seite die ersten evangelischen Kirchen entstanden. Schon während des Reichstags 1526 bekannte sich der Rat der freien Reichsstadt zum „neuen Glauben“. Dies ging so weit, dass der Bischof sich kaum traute, eine katholische Messe im Dom abzuhalten. Beim nächsten Reichstag zu Speyer (1529) sollten unter anderem die alten Glaubenszustände wieder hergestellt und das neue Gewese endgültig in die Schranken gewiesen werden. Ein erfolgloser Versuch. Dieser Reichstag endete mit der Protestation von sechs Fürsten und 14 Landständen und Städten – daher der Name „Protestanten“ für die Abtrünnigen – und schließlich und endlich mit der Religionsfreiheit dieser Region! Dass der Bischof als geistlicher Herr die Jesuiten herbeiholte, um durch Bildung und strenge Zucht ein Gegengewicht (eine Frühform der Gegenreformation) zu schaffen, konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. In Speyer galt noch nicht der Satz „cuius regio eius religio“ – wessen Region, dessen Religion.

Diese Formel des Augsburger Religionsfriedens von 1555 brachte der Stadt erst in späteren Jahren den Zustrom von Hugenotten und Wallonen (Welschen), die nicht nur neue Ideen und Erkenntnisse, sondern auch unbekannte Techniken und Dinge mitbrachten, wie beispielsweise die Walnuss (Welschnuss) und Esskastanien.

Türme, Kirchen, Königsgräber

Am Ende der Maximilianstraße liegt das Altpörtel mit seinen zwei Uhren: eine zeigt die Stunde, die andere die Minute. Hinter dem 55 m hohen Torturm verlässt man die Altstadt und kann die Türme von St. Joseph ausmachen, der katholischen Kirche, die der evangelischen Gedächtniskirche gegenüber liegt.

Um 14 Uhr öffnet die neugotische Gedächtniskirche, die 1904 geweiht wurde und deren wunderbare Fenster mit biblischen und evangelischen Motiven im 2. Weltkrieg unversehrt geblieben sind. An einer der riesigen Rosetten, dem Märtyrerfenster, entziffern wir einen Spruch aus der Bergpredigt, angereichert um eine Zeile aus Luthers bekanntestem Lied: „Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Das Reich muss uns doch bleiben“. Auch diese Kirche zum Gedächtnis an die Protestation wurde durch Spenden evangelischer Gemeinden in aller Welt ermöglicht.

Durch kleine malerische Gassen geht es wieder zur Maximiliansstraße und noch schnell ins Sophie-La-Roche-Haus.

Natürlich ist auch in Speyer der Dom ein Muss. In der Kaisergruft, die von der Hallenkrypta mit ihren sieben Altarnischen aus zu erreichen ist, befindet sich u.a. die Grablege der Salier, die nach dem Ende der Ottonen für rund 100 Jahre von 1027 bis 1125 den deutschen Kaiser stellten.

Konrad II. † 1039

Gisela von Schwaben † 1043, Gemahlin von Konrad II.

Heinrich III. † 1056, Sohn Konrads II.

Heinrich IV. † 1106, Sohn Heinrichs III.

Bertha von Savoyen † 1087, Gemahlin Kaisers Heinrich IV.

Heinrich V. † 1125, Sohn Heinrichs IV.

Nach dem Tod des letzten Salierkaisers Heinrich V. wurde die Grablege erweitert und zusätzlich Beatrix von Burgund, zweite Gemahlin Friedrichs Barbarossa, und ihre Tochter Agnes, Philipp von Schwaben, Sohn Friedrich Barbarossas, Rudolf von Habsburg, Adolf von Nassau, Albrecht von Österreich und mehrere Bischöfe bestattet.

Alternativ staunt man im Kirchenschiff über die enormen Ausmaße des größten romanischen Doms oder umrundet ihn von außen. Der Dom wurde 1030-1061 als der erste, der keinen Westchor für den Adel mehr hat, erbaut und unter Heinrich IV. im 11. Jahrhundert erweitert. An Größe übertraf er alles bisher Vorhandene.

3. Tag: Heidelberg und Bretten

Alt-Heidelberg, du feine

In Heidelberg geht es um die Reformation mit und ohne Luther. Dafür stehen die „Heidelberger Disputation“ 1518 und der „Heidelberger Katechismus“ 1563.

Das Karlstor am östlichen Rand der Altstadt ist ein geeigneter Ausgangspunkt für eine Stadterkundung. Mitten im Strom vieler Touristen (insgesamt 11 Mio. pro Jahr) wird uns die alte Kurpfalz, die „Pfalzgrafschaft bei Rhein“, nahegebracht. Denn als „Kurpfälzer“ fühlt man sich hier noch immer, obwohl Heidelberg seit dem Wiener Kongress 1815 zu Baden (heute Baden-Württemberg) gehört. Die wechselvolle Geschichte der Stadt ist noch immer sehr von der Universität bestimmt. Den ca. 150.000 Einwohnern bietet sie über 13.000 Arbeitsplätze. 1386 gegründet, ist sie die älteste deutsche Universität (Erfurt hatte zwar die päpstliche Genehmigung früher, aber Heidelberg war bei der Gründung schneller). In der Altstadt gegenüber der Peterskirche, der ältesten Kirche am Ort, sind heute die Geisteswissenschaften zu Hause, die Bibliothek beherbergt u.a. die mittelalterliche Liederhandschrift „codex manesse“. Ein wesentlicher Teil der Bibliotheca Palatina stammt aus dem Kloster Lorsch, „mitgenommen“ von Kurfürst Ottheinrich, der aus dem lutherischen Pfalz-Neuburg kam (1556).

Reformatorisch und reformiert

Im 16. Jahrhundert entstand ein konfessioneller Flickenteppich: Bayern war katholisch, die Kurpfalz lutherisch. Später führte Friedrich III. von Pfalz-Simmern unter dem starken Einfluss der schweizerischen Reformatoren in der ganzen Kurpfalz das reformierte Bekenntnis ein. Das bedeutete eine Konzentration auf das Wort, Bildersturm und die Einführung des Heidelberger Katechismus als Gegenentwurf zum lutherischen. Zunehmend setzt sich heute die Erkenntnis durch, dass mit dem Heidelberger Katechismus ein Text verfasst werden sollte, der für beide Seiten akzeptabel den innerprotestantischen Streit zwischen Lutheranern und von Calvin und Zwingli geprägten Reformierten überwinden sollte.

Jan Wellem? Der steht doch in Düsseldorf am Rathaus!

Anfang des 17. Jahrhunderts erbt das lutherische Pfalz-Neuburg das katholische Herzogtum Jülich-Kleve-Berg. In einem Erbfolgekrieg wird entschieden, dass der nördliche Teil, Kleve und die Grafschaften Mark und Ravensberg, zum protestantischen Brandenburg kommt, Jülich und Berg zu Pfalz-Neuburg. Diesen Gebietszuwachs erkauft sich Kurfürst Wolfgang Wilhelm durch Konversion zum Katholizismus, um katholische Unterstützung zu bekommen. Kurz darauf beginnt der 30jährige Krieg.

Nach dessen schrecklichen Wirren und Gräueln ist die Kurpfalz überschuldet, ausgeraubt. So muss sie 1622 den Verlust der Biblioteca Palatina erleiden. 6000 Bücher und tausende Handschriften werden nach Rom verschleppt und kommen erst im 19. Jahrhundert zum Teil zurück. Vor allem ist die Kurpfalz nach dem 30jährigen Krieg fast entvölkert und kann sich nur langsam erholen.

Unter dem Enkel Wolfgang Wilhelms, Johann Wilhelm II. (Jan Wellem) setzt 1685 eine „friedliche“ Gegenreformation ein. Beamte müssen katholisch sein, evangelische Kirchen werden geteilt, die Jesuiten bekommen Geld für eine eigene Kirche. Sie gehört heute zum Bistum Freiburg. Dort im Badischen wird an der Universität Freiburg nur katholische Theologie gelehrt, im pfälzischen Heidelberg nur evangelische. Im 18. Jahrhundert waren hier immer noch 70 % der Bevölkerung evangelisch, heute ca. 35 % im Vergleich zu ca. 30 % Katholiken.

Und wieder einmal der pfälzische Erbfolgekrieg

Trotz der katholischen Regenten wurde die gesamte Kurpfalz schwer getroffen, als der französische König Ludwig XIV. Ansprüche auf das Land erhob, weil sein Bruder, der Herzog von Orléans, mit Liselotte von der Pfalz verheiratet war. Frankreich war nach dem 30jährigen Krieg zu einer der führenden Mächte Europas aufgestiegen, und der Sonnenkönig versuchte, seinen Einfluss zu stärken, wo immer es möglich schien. So kam es 1688-97 zum pfälzischen Erbfolgekrieg, den das Land noch einmal als zerstörerische Heimsuchung erleiden musste. Dieser Krieg taucht in jeder der bisher besuchten Städte immer wieder als einschneidende Katastrophe auf. Auch Heidelberg bleibt 1689 und 1693 nicht verschont. Sogar das Schloss aus dem 13. Jahrhundert, das im 16. Jahrhundert während der Bauernkriege verstärkt worden war, wird zur Ruine.

Ein junger Mönch gewinnt neue Anhänger

In diesem Schloss wurde der Mönch Martin Luther 1518 nach einem Fußmarsch von etwa 600 km von Wittenberg aus vom Bruder des Kurfürsten empfangen und herumgeführt. (Einer Legende zufolge soll ihn der Anblick des dicken Turms zum Lied „Ein feste Burg“ inspiriert haben.)

Luther war als Mitglied des Ordens vom Ordensoberen Staupitz zur Versammlung der Augustiner eingeladen worden und durfte seine Ideen vor- und zur Diskussion stellen. An dieser „Heidelberger Disputation“ nahmen u. a. auch die Augustinermönche Johannes Brenz und Martin Bucer teil, die späteren Reformatoren Württembergs und Straßburgs. Auch für viele andere Anwesende löst die Disputation den Beginn ihrer reformatorischen Bemühungen aus. In der Folge toleriert Pfalzgraf Ludwig V. evangelischen Gottesdienst.

Hier also wird die Reformation von einem zunächst lokal sehr begrenzten Ereignis zu einer grenzenüberschreitenden Bewegung. Luthers Ablassthesen, 1518 in Deutsch gedruckt, verbreiten sich rasend schnell und bieten überall Diskussionsstoff. Dabei hatte Luther sich mit seinen seelsorgerischen Bedenken bezüglich des Ablasses erst einmal nur an Bischof Albrecht von Magdeburg und Mainz gewandt, ohne zu ahnen, dass dieser mit den Ablassgeldern den Bau des Petersdoms mitfinanzierte.

In Heidelberg trägt Luther nicht erneut die Kritik am Ablasswesen vor. Stattdessen formuliert er mit seiner Kreuzestheologie einen konstruktiven Ansatz, Menschen der Gnade Gottes gewiss zu machen.

Der Rest ist Geschichte: 1519 stirbt Kaiser Maximilian, Karl V. wird sein Nachfolger. Unter ihm wird Luther der Prozess als Ketzer gemacht. Die Bannandrohung 1520 beantwortet Luther mit der öffentlichen Verbrennung der päpstlichen Bulle und des römischen Kirchenrechts in Wittenberg. 1521 wird er vom Kaiser zum Reichstag nach Worms zitiert. (Wie gesagt: Die Anhörung auf deutschem Boden war schon ein diplomatischer Erfolg der Lutherunterstützer.) Es folgen Bann und Entführung durch Friedrich den Weisen von Sachsen auf die sichere Wartburg.

Spaziergang durch die Altstadt

Wir sehen die hohen Steinhäuser aus dem 18. Jahrhundert (fast alle Häuser wurden nach 1693 errichtet), entdecken Hochwassermarken u. a. von 1784, stehen auf der achten, aber ersten steinernen Brücke, die unter Carl Theodor im 18. Jahrhundert erbaut wurde und bewundern die barocke, aber schlicht weiße Pracht der Jesuitenkirche nahe der alten Universität.

Am Marktplatz sind wir beeindruckt von der reich geschmückten Fassade eines Hauses, das 1592 als damals einziges privates Steinhaus von Charles Bélier erbaut wurde, einem aus den spanischen Niederlanden zugewanderten Hugenotten und reichen Kaufmann. Den 30jährigen Krieg und die Brände 1693 hat es überstanden und ist seit 1705 das Hotel „Zum Ritter“.

Den Platz beherrscht die Heiliggeistkirche. An diesem Ort, allerdings in der Vorgängerkirche, wurde 1386 die Universität gegründet und 1693 die Gräber der Pfalzgrafen von irischen Söldnern im Dienste des Sonnenkönigs geplündert und zerstört. Die Heiliggeistkirche war Hofkirche, Grablege, Versammlungsort der Gemeinde für Gottesdienste und Aufbewahrungsort der Biblioteca Palatina. 1706 unter Jan Wellem wurde sie zur Simultankirche: Der Chor wurde katholisch, das Langhaus evangelisch. Als nach 1716 Karl Philipp die ganze Kirche beansprucht, eskaliert der konfessionelle Konflikt. Der evangelische Kirchenrat ruft Preußen und England zu Hilfe. 1726 wird der Kurfürst vom Kaiser zur Ordnung gerufen, die Scheidewand wieder errichtet und die Situation beruhigt sich erst einmal.

Melanchthonstadt Bretten – Wo liegt Bretten?

Der Geburtsort von Philipp Melanchthon steht für den Nachmittag auf dem Programm: Bretten im Kraichgau, südöstlich von Bruchsal gelegen.

Wir landen in einem hübschen, hügeligen Ort, der Marktplatz mit einem tiefen Brunnen ist von Fachwerkhäusern und Restaurantterrassen flankiert. Ins Auge aber fallen Rathaus und Melanchthonhaus, die beiden größten Gebäude. Der etwas südlich gelegenen Stiftskirche dient ein mittelalterlicher Wehrturm vom Anfang des 14. Jahrhunderts als Kirchturm. Innen calvinistisch karg und streng besitzt sie jedoch einen barocken Chorraum, der, durch einen Lettner getrennt, ab 1705 für katholische Gottesdienste genutzt wurde. Erst 1936/38 wurde eine katholische Kirche gebaut, und die evangelische Gemeinde konnte diesen Teil ihres Gotteshauses zurückkaufen. Anekdoten ranken sich um ein Wahrzeichen, das „Brettener Hundle“, das nicht nur über dem Hundlesbrunnen prangt, sondern auch am Turm der Stiftskirche. Wie andernorts bei Belagerungen, so sollte auch hier ein wohlgenährtes und zur Schau gestelltes Tier über den wahren Zustand der Belagerten hinwegtäuschen.

Da der Konflikt zwischen Reformierten/Calvinisten und Lutheranern fast so erbittert ausgetragen wurde wie der zwischen Katholiken und Protestanten, durfte erst 1687 eine lutherische Kirche gebaut werden, die zwei Jahre später schon dem pfälzischen Erbfolgekrieg zum Opfer fiel – wie fast der gesamte Ort. Zehn Jahre später erstand die Kreuzkirche neu, ausgestaltet im „Bauernbarock“.

Ohne Melanchthon keine Reformation, zumindest keine des Theologiestudiums

In diesem alten Handelsort am Kreuzungspunkt wichtiger Fernstraßen wurde 1497 Philipp Schwartzerdt geboren. Im Melanchthonhaus am Markt, 1903 an der Stelle des Geburtshauses erbaut, betrachten wir auf Wandgemälden und Informationstafeln die Lebensstationen dieses außergewöhnlichen Mannes und bestaunen die Bibliothek mit vielen alten Schätzen.

Auf dem nebenstehenden Foto ist der Umstand dokumentiert, dass der an einem Sprachfehler leidende Melanchthon am Ende seines Lebens seinen gräzisierten Namen in eine für ihn aussprechbarere Form brachte.

Schon mit 13 Jahren durfte er an der berühmten Lateinschule zu Pforzheim studieren und bei seinem Großonkel Johannes Reuchlin leben. Weitere Stationen sind Heidelberg, Tübingen und schließlich Wittenberg, wo er Martin Luther kennenlernt und fasziniert dessen Gedanken und Ideen aufnimmt. So wird er zum wichtigsten Wegbegleiter des oft hitzköpfigen Reformators.

Melanchthon ist der ausgleichende, besänftigende Teil, der häufig von den Fürsten um Rat und Vermittlung gefragt wird und ohne den die Reformation sich nicht so schnell und weitreichend durchgesetzt hätte. Besonders im ständig schwelenden Konflikt um das rechte Verständnis des Abendmahls sucht und findet er akzeptable Formulierungen. Auch die erste evangelische „Dogmatik“ (Loci communes rerum theologicarum, 1521) und die wichtigste lutherische Bekenntnisschrift (Confessio Augustana, 1530) stammen aus der Feder Melanchthons.

Bezaubert von der den meisten von uns zuvor unbekannten Stadt und tief beeindruckt von Lebensweg und Persönlichkeit des Humanisten Philipp Melanchthon treten wir die Rückfahrt an.

4. Tag: Ausflug nach Pforzheim

Südlich von Bretten liegt Pforzheim, der Geburtsort von Deutschlands erstem Humanisten Johannes Reuchlin (gräzisiert: capnion = kleiner Rauch), dem Großonkel Melanchthons.

Funktionalismus der 1950er Jahre

Uns erwartet eine Stadt, die architektonisch vom Funktionalismus der 1950er Jahre geprägt ist. Das Stadtmuseum dokumentiert durch ein Modell der Ruinenstadt, wie Pforzheim noch am 23. Februar 1945 total zerbombt und das alte Stadtbild zerstört wurde. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Nagold, Würm und Enz und hat heute ca. 120.000 Einwohner. Die Lage an der römischen Handelsstraße von Straßburg nach Cannstadt war seit jeher förderlich für die wirtschaftliche Situation der Stadt. Der Hafen an der Enz gab ihr den Namen (portus). Außerdem war sie wichtige Station für die Flößerei aus dem Schwarzwald auf Nagold und Enz, über Heilbronn nach Mannheim und schließlich auf den Rhein, wo bis zu 400 m lange und 80 m breite Gebinde Richtung Holland gebracht wurden.

Im Stadtteil Brötzingen ist nach Flächensanierung von dem alten Dorf nur noch ein kleines Ensemble mit Kirche, Pfarrhaus, Schule und Scheune übrig geblieben. Hier bietet das Stadtmuseum einen Eindruck von Handwerk, Technik und Alltag (Flößerei, Gerberei, Goldschmiede, Uhrmacherwerkstatt, Schule), aber eben auch von der erwähnten Zerstörung der Stadt.

Schon Anfang des 18. Jahrhunderts werden in Pforzheim auf Veranlassung des Markgrafen von Baden von Fachleuten aus Frankreich und der französischen Schweiz Schmuck- und Uhrenwerkstätten eingerichtet. Bis heute ist die Schmuckfabrikation ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Die Hochschule für Schmuckgestaltung sowie die Goldschmiede- und Uhrmacherschule haben immer noch internationale Bedeutung. Für Technik hatte auch die Pforzheimerin Berta Benz ein Faible: Sie wagte die 110 km lange Jungfernfahrt mit dem ersten Auto von Mannheim in ihre Heimatstadt und kam tatsächlich heil an.

Der Rundgang durch die Unterstadt mit vielen kleinen Brücken über die 3 Flüsschen, führt über die Staffeln (Treppen) in die Oberstadt und schließlich zur Schlosskirche St. Michael und dem angebauten Reuchlin-Museum.

Entdeckung der hebräischen Sprache für die christliche Theologie

In Pforzheim war schon seit 1496 eine Druckerei ansässig. In dieser ließ Johannes Reuchlin 1506 eine Einführung in die hebräische Sprache drucken. De rudimentis hebraicis diente auch Luther als Lehrbuch und ist das erste Buch, das in Deutschland in hebräischer Schrift gedruckt wurde. Die Buchstaben hatte sich Reuchlin in Italien anfertigen lassen.

Hier wird sinnbildlich deutlich, wie der humanistische Ruf „ad fontes“ vom Ursprungsland dieser Bewegung über die Alpen in den deutschen Sprachraum gelangt. Dieses „zurück zu den Quellen“ führt zwangsläufig zu einer erhöhten Wertschätzung der biblischen Originalsprachen und in einer gewissen reformatorischen Zwangsläufigkeit zur Infragestellung sekundärer Interpretationen. Dies gilt auch und besonders für die im damaligen katholischen Denken normative lateinische Bibel, die Vulgata.

Die Schlosskirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, wurde im 15. Jahrhundert Stiftskirche und erhielt einen neuen Stiftschor. Hier wurde schon 1524 lutherisch gepredigt. An der Südseite des Chors gab es einen spätgotischen Anbau: im Keller das Beinhaus und darüber eine zweigeschossige Sakristei, in der Reuchlin von 1455 bis 1522 eine Bibliothek und ein Lehrzimmer hatte, das sogenannte Reuchlinkolleg, mit direktem Zugang vom Lettner. Dieser ist erhalten, denn die Kirche blieb Hof- und Stiftskirche und wurde nie Pfarrkirche.

An der Stelle der Sakristei steht heute ein moderner Anbau, sehr geschickt angepasst an die alte Architektur, in dem sich – ebenfalls auf drei Ebenen – das Reuchlin-Museum befindet. Was für eine interessante Biographie ist hier zu entdecken! 1455 geboren, wird Johannes Reuchlin zu einem der bedeutendsten Humanisten. Seine Studien ab 1470 in Freiburg, Paris, Basel, Orléans, Poitiers und Rom machen ihn zu einem umfassend gebildeten Universalgelehrten. 1482 lässt er sich als Anwalt in Stuttgart nieder und wird 1492 geadelt. Er spricht neben Deutsch auch Latein, Französisch, Italienisch sowie die Sprachen der Bibel Griechisch und Hebräisch. Letzteres hat er vom jüdischen Leibarzt des Herzogs Eberhard von Württemberg gelernt und in Rom vertieft. Seine hebräische Grammatik ist als erstes in dieser Sprache in Deutschland gedruckte Werk Grundvoraussetzung für eine direkte Bibelübersetzung aus den beiden Ursprachen der Bibel und somit auch für die Reformation.

Diese fasst in Baden schon ab 1519 Fuß. Reuchlin selbst aber stand der Bewegung sehr skeptisch gegenüber. Früh hatte er seinen begabten Großneffen Philipp Melanchthon an die berühmte Pforzheimer Lateinschule geholt und empfahl ihn auch an die Universität Wittenberg, an die er selbst gerufen worden war. Melanchthon bleibt gegen den Willen seines Großonkels in Wittenberg. Reuchlin kann ihn auch nicht mit der Erbschaft seiner Bibliothek von Luther weglocken.

Als Anfang des 16. Jahrhunderts die Kölner Dominikaner, allen voran der konvertierte Jude Johannes Pfefferkorn, sämtliche jüdischen Schriften vernichten wollen, wird Reuchlin 1510 um eine Stellungnahme gebeten. Seine Antwort lautet: „Verbrennt nicht, was ihr nicht kennt!“ Für ihn sind gerade die hebräischen Texte Quellen, aus denen es zu schöpfen gilt. Juristisch einwandfrei argumentiert er in seiner Schrift „Augenspiegel“ (1511), dass Juden als rechtmäßige Bürger des Landes den gleichen Schutz genießen und die gleichen Rechte haben wie Christen. Trotzdem gibt Pfefferkorn keine Ruhe. 1515 startet Melanchthon darum eine Unterstützungsaktion für seinen Großonkel und auch Luther beteiligt sich daran. Doch der Streit dauert bis 1520 an und ruiniert Johannes Reuchlin finanziell und gesundheitlich. 1522 stirbt er in Stuttgart. Ein Mensch, der frei und bestimmt zu seiner Meinung stand, sich für Toleranz gegenüber Andersdenkenden einsetzte, der aber auch dem Leben sehr zugetan war und in humorvoll poetischen Worten einen handfesten „Kater“ zu beschreiben wusste.

5. Tag: Fahrt nach Marburg

Landgraf Philipp von Hessen hatte sich früh dem Protestantismus zugewandt. Beim Reichstag 1526 war man gegenüber dem „neuen Glauben“ noch tolerant, da mit den Türken vor Wien ganz andere Probleme gelöst werden mussten. Das war 1529 schon anders: Die außenpolitische Gefahr war gebannt, das Wormser Edikt gegen Luther wurde erneuert und eine politische Auseinandersetzung angestrebt. Da lud Philipp von Hessen führende protestantische Theologen im Oktober 1529 auf sein Schloss, um eine Einheit unter den Protestanten herzustellen. Hier trafen sich u. a. Luther, Melanchthon, Bucer, Zwingli und Oekolampad. Bei dieser ersten und letzten persönlichen Begegnung zwischen Luther und Zwingli konnte man in 14 von 15 Marburger Artikeln Einigkeit dokumentieren. Nur der Streit um die Auffassung des Abendmahls wurde nicht beigelegt, wie es der abschließende 15. Artikel belegt. (Eine offizielle Abendmahlsgemeinschaft zwischen Lutheranern und Reformierten gab es erst 1973.)

Das Marburger Religionsgespräch vom 1.-4. Oktober 1529 verdeutlicht, wie sehr der Fortgang der Reformation von politischen und diplomatischen Vermittlungsversuchen abhängig war. Ohne die Bemühungen des Landgrafen hätten sich die innerprotestantischen Kontrahenten wohl nie an einen Tisch gesetzt. Und sie hätten nie bemerkt, dass sie sich bei allem Streit um die reale oder symbolische Präsenz Christi im Abendmahl persönlich sehr sympathisch waren. Es wird berichtet, dass man sich auch nach den zähesten Verhandlungen des Abends gemeinsam an griechischen Satiren, Wein und Gesang erfreuen konnte.

Dem Willen zur Vermittlung zwischen Extrempositionen verdankt sich auch Philipps Gründung der ersten „evangelischen“ Universität im Jahr 1527. Obwohl mit dieser Gründung natürlich die protestantische Lehre gestärkt werden sollte, wurde in Marburg (anders als in Wittenberg) intensiv um die altgläubigen Humanisten geworben.

Eine fast protestantische Heilige

Unsere Stadtführerin empfängt uns an der Elisabethkirche, einer der ersten gotischen Kirchen Deutschlands. Baubeginn auf dem Gelände des Deutschen Ordens war 1235, nach ca. 50 Jahren war der Bau abgeschlossen. Bis auch die beiden 80 m hohen Türme vollendet waren, dauerte es allerdings etwas länger. Als große Hallenkirche mit ihren aufstrebenden Bauelementen war sie ein Symbol für das himmlische Jerusalem. Nie zerstört oder verändert, entging sie jedoch nicht dem Schicksal so mancher Kirche in Kriegszeiten: Im Siebenjährigen Krieg wurde sie als Pferdestall und Getreidespeicher genutzt. Das Hauptportal zeigt Maria als Himmelskönigin, zu ihren Seiten Rosenblüten und Weinranken, sie selbst flankiert von zwei knienden Engeln. Die Kirche ist heute zwar evangelisch, hat aber ihre ursprüngliche, katholische Ausstattung behalten wie z.B. die Heiligenfiguren und den Lettner.

Die wohl schönste Statue zeigt uns die liebliche Gestalt der heiligen Elisabeth von Thüringen, deren Geschichte hier oft erzählt wird. Die ungarische Königstochter, 1207 geboren, wird schon im Alter von 4 Jahren nach Eisenach verlobt und wächst in ihrer künftigen Familie auf. Mit 14 Jahren heiratet sie Ludwig von Thüringen und bekommt drei Kinder. Als ihr Mann während eines Kreuzzugs umkommt, verlässt sie ihre Familie und geht nach Marburg. Hier baut sie ein Haus als Zufluchtsstätte für Arme, Obdachlose und Kranke, derer sie sich persönlich annimmt. Sie stirbt 1231 im Alter von nur 24 Jahren und wird für ihr segensreiches Tun schon 1235 heiliggesprochen. Ihre Gebeine werden in Anwesenheit von Kaiser Friedrich II. in einen Reliquienschrein gebettet, und die ihr geweihte Kirche wird zur wichtigen Pilgerstätte. Bis ins 16. Jahrhundert werden die Reliquien der Heiligen in einem riesigen goldenen, mit zahllosen Edelsteinen verzierten Schrein aufbewahrt und dort verehrt. Heute befinden sie sich bei den Elisabethinen in Wien.

Apropos Elisabeth. Auch Elisabeth von Hessen, besser bekannt unter ihrem Witwennamen Elisabeth von Rochlitz, liegt hier begraben. Die Schwester Philipps von Hessen war die einzige Frau, die Mitglied des protestantischen Verteidigungsbündnisses „Schmalkaldischer Bund“ war.

Am Ende vieler Stufen: ein Blick über die Stadt

Die im 16. Jahrhundert gegründete Universität ist noch heute bestimmend für die Stadt Marburg. Von den 80.000 Einwohnern sind 27.000 Studenten, die Universität bietet ca. 6.000 Arbeitsplätze. So versteht man, was einen Marburger glücklich macht: ein Häuschen, ein Gärtchen, ein Schweinchen und ein Studentchen!

Von der nahe der Lahn gelegenen Elisabethkirche steigen wir langsam über den steilen Steinweg (alternativ gibt es öffentliche Aufzüge) in die Oberstadt mit ihren belebten Straßen, den hübschen Fachwerkhäusern und vielen Straßencafés, die bei schönen Wetter voller fröhlicher Gäste sind. Den Gassen immer weiter bergauf folgend, erreichen wir schließlich die unterhalb des Schlosses liegende lutherische Pfarrkirche St. Marien aus dem 13. Jahrhundert, von Philipp dem Großmütigen Anfang des 16. Jahrhunderts zur evangelischen Hauptkirche ernannt. Hier oben genießt man den Blick über die verschachtelten Dächer der Stadt und auf den umliegenden Bänken auch den warmen Sonnenschein.